Ferienzeit ist Hochsaison für Cyberkriminelle: So schützen Sie Ihren Betrieb

Ferienzeit ist Hochsaison für Cyberkriminelle: So schützen Sie Ihren Betrieb

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Ferienzeit sinkt oft die personelle Besetzung, während Angreifer genau diese Phase gezielt ausnutzen.
  • Besonders gefährlich sind Phishing, gefälschte Rechnungen, CEO Fraud und Angriffe auf unklare Vertretungsregelungen.
  • Wer rechtzeitig Backup, Zugriffsrechte, Notfallkontakte und Meldewege prüft, senkt das Risiko deutlich.
  • Cybersecurity im Sommer ist vor allem eine Frage von Vorbereitung, Zuständigkeit und Routine.

Ferien und Urlaubszeiten sind für viele Betriebe organisatorisch eine Schwachstelle. Wenn weniger Mitarbeitende verfügbar sind, Entscheidungen langsamer laufen und Vertretungen nicht sauber geregelt sind, haben Cyberkriminelle leichteres Spiel. Angriffe treffen dann auf eine Situation, in der verdächtige Mails, auffällige Rechnungen oder ungewöhnliche Anfragen schneller übersehen werden. Genau deshalb lohnt es sich, die Urlaubszeit in Ihrem Unternehmen nicht nur personell, sondern auch sicherheitstechnisch vorzubereiten.

Für kleine und mittlere Unternehmen ist das besonders relevant, weil im Alltag oft dieselben Personen mehrere Aufgaben übernehmen. Fällt eine Schlüsselperson aus, entstehen schnell Lücken bei Freigaben, IT-Zugängen oder der Kommunikation mit Dienstleistern. Das erhöht nicht nur das Risiko für Phishing und Social Engineering, sondern auch die Gefahr, dass ein Vorfall zu spät erkannt wird.

Wie Angriffe in der Ferienzeit funktionieren

Cyberkriminelle nutzen in der Urlaubszeit meist keine völlig neuen Methoden, sondern klassische Angriffsmuster mit besserem Timing. Gefälschte Zahlungsaufforderungen oder Phishing-Mails sind schnell erfolgreich, wenn Vertretungswege unklar sind oder Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden. Auch technische Angriffe profitieren von reduzierter Aufmerksamkeit. Wenn niemand regelmäßig prüft, ob Konten verdächtige Anmeldungen zeigen oder ob ungewöhnliche Freigaben eingerichtet wurden, bleibt ein Angriff oft länger unentdeckt. Das Problem ist also selten ein einzelner Fehler, sondern die Kombination aus Abwesenheit, Routine und mangelnder Kontrolle.

Diese Maßnahmen sollten vor dem Urlaub stehen

Die wichtigste Regel lautet: Sicherheit vor Abwesenheit organisieren, nicht danach reparieren. Dazu gehört zunächst, dass alle Systeme aktuell sind, insbesondere Betriebssysteme, Browser, E-Mail-Programme und zentrale Unternehmenssoftware. Ebenso wichtig sind klare Vertretungsregelungen. Wer prüft Rechnungen? Wer gibt Zugriffe frei? Wer darf im Notfall Passwörter zurücksetzen oder Konten sperren? Diese Fragen sollten Sie vor der Ferienzeit beantworten, damit im Ernstfall keine Zeit verloren geht. Zusätzlich sollten Notfallkontakte, externe IT-Dienstleister und interne Meldewege sichtbar dokumentiert und für alle relevanten Personen erreichbar sein.

Die wichtigsten Schutzmaßnahmen im Überblick

Ein wirksamer Schutz entsteht nicht durch eine einzelne große Maßnahme, sondern durch mehrere kleine, sauber umgesetzte Schritte. Besonders wichtig sind starke Passwörter und Multi-Faktor-Authentifizierung, weil damit gestohlene Zugangsdaten deutlich weniger Schaden anrichten können. Konten mit erweiterten Rechten sollten nur gezielt vergeben werden, und Administratoren sollten im Alltag möglichst mit getrennten Benutzerkonten arbeiten.

Auch Freigaben verdienen Aufmerksamkeit. Dateien in Cloud-Diensten, E-Mail-Weiterleitungen und externe Zugriffe sollten regelmäßig überprüft werden, damit keine unnötigen Zugänge offenbleiben. Ergänzend gehört eine funktionierende Backup-Strategie dazu, die nicht nur existiert, sondern im Zweifel auch wirklich wiederherstellen kann.

Auf unsere Materialienplattform finden Sie kostenfreie Lernspiele, Checklisten, Lernnuggets und weitere Informationen rund um Cybersicherheitsmaßnahmen, die Ihren Betrieb präventiv schützen.

Zwei Personen arbeiten zusammen an einem Laptop

Die zehn wichtigsten Maßnahmen

  1. Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Konten aktivieren.
  2. Starke, individuelle Passwörter verwenden und doppelte Nutzung vermeiden.
  3. Administratorrechte auf das Nötigste begrenzen.
  4. Vertretungs- und Freigaberegeln vor dem Urlaub festlegen.
  5. Externe Freigaben und Zugriffsrechte regelmäßig prüfen.
  6. Backups aktuell halten und Wiederherstellung testen.
  7. Mitarbeitende auf Phishing und Social Engineering sensibilisieren.
  8. Ungewöhnliche Anmeldungen und Aktivitäten überwachen.
  9. Notfallkontakte und Meldewege sichtbar dokumentieren.
  10. Einen klaren Ablauf für den Ernstfall definieren.

Was im Ernstfall zählt

Wenn ein Verdacht auf einen Angriff besteht, ist es für Ihren Betriebe entscheidend, dass jede:r weiß, was im Ernstfall zu tun ist. Wer meldet den Vorfall? Wer entscheidet über das Abschalten eines Kontos? Wer informiert Kunden oder Lieferanten? Je klarer diese Fragen vorab beantwortet sind, desto geringer ist der Schaden im Fall der Fälle. Ein einfacher Notfallplan ist deshalb keine Formalie, sondern ein praktisches Arbeitsmittel.

CYBERsicher-Notfallhilfe

So reagieren Sie schnell und gezielt bei einem Cyberangriff

Um bei einem Sicherheitsvorfall effektiv zu handeln und zu reagieren, ist ein Incident Response Management ein wichtiger Bestandteil, um den Schaden zu minimieren und erste Maßnahmen umzusetzen. Was Incident Response alles umfasst, wie ein entsprechender Plan aussehen kann und welche Tools sinnvoll sein können, erfahren Sie in diesem Blogartikel inklusive Hinweis zu unserer CYBERsicher Notfallhilfe.

Sicherheit zur Routine machen

Der größte Fehler in vielen Betrieben ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Regelmäßigkeit. Sicherheitsmaßnahmen wirken am besten, wenn sie als feste Routine organisiert werden — etwa durch monatliche Kontrollen, kurze Team-Updates oder eine einfache Checkliste vor Urlaubszeiten. So bleibt das Thema präsent, ohne den Arbeitsalltag zu blockieren.

Hilfreich ist auch, Verantwortlichkeiten konkret zu benennen. Wenn diese Aufgaben klar zugeordnet sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Schutzmaßnahmen im Trubel untergehen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das ein realistischer Weg zu besserer Resilienz.

Fazit

Die Ferienzeit ist kein Sonderfall, sondern ein wiederkehrendes Risikoereignis für Unternehmen. Wenn Sie jetzt Zugriffsrechte, Backups, Vertretungen und Notfallwege prüfen, schützen Sie den Betrieb mit vergleichsweise wenig Aufwand deutlich besser. Besonders wirksam sind dabei einfache Maßnahmen, die konsequent umgesetzt und regelmäßig überprüft werden.

Cyberkriminelle nutzen nicht nur technische Lücken, sondern vor allem organisatorische Schwächen. Genau deshalb ist der Sommer ein guter Zeitpunkt, um Prozesse zu ordnen, Zuständigkeiten zu klären und das eigene Unternehmen widerstandsfähiger zu machen. So wird aus der Ferienzeit keine Angriffszeit.

Johanna Baldus

Verfasst von Johanna Baldus

Senior Projektmanagerin Kommunikation

Aktualisiert am: 30.06.2026

Diese News könnte Sie auch interessieren: