Mit wenig Budget sicherer werden: 7 Maßnahmen für  mehr Cybersicherheit  

Mit wenig Budget sicherer werden: 7 Maßnahmen für  mehr Cybersicherheit  

Ein Klick auf eine gefälschte Rechnung, ein Wochenende ohne Backups und am Montag steht der Betrieb still. Für viele kleine Unternehmen ist das keine theoretische Gefahr, sondern bittere Realität. Kurzum, die Lage für kleine und mittlere Unternehmen ist angespannt. Die Bedrohungslage wird kritischer und gleichzeitig sind die Ressourcen und Budgets für IT-Sicherheitsthemen knapp. Entscheidend ist, dass die Grundlagen der Cybersicherheit stimmen, um die Einfallstore so geschlossen wie möglich zu halten. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen sieben Maßnahmen, die mit wenig Budget umgesetzt werden können und einen maßgeblichen Effekt auf Ihre Cybersicherheit haben.  

Die Ausgangslage:  Kleine Unternehmen, große Risiken 

Viele mittelständische Unternehmen kennen die Situation: Es gibt keine eigene IT-Abteilung und für bestimmte IT-Themen wird mit einem Dienstleister zusammengearbeitet. Die Systeme sind teilweise veraltet, private und berufliche Nutzung vermischen sich, und für Sicherheitsfragen bleibt im Tagesgeschäft einfach keine Zeit. 

Dabei zeigen Studien: Gerade kleine Unternehmen werden zunehmend Ziel von Cyberangriffen. Die Schwachstellen sind meist keine hochkomplexen Sicherheitslücken, sondern triviale Dinge wie unsichere Passwörter, fehlende Updates oder nicht vorhandene Backups. 

Genau hier setzen die folgenden Maßnahmen an: mit minimalem Aufwand und Budget die größten Risiken deutlich senken. 

Maßnahme 1: Starke Passwörter und Mehr-Faktor-Authentifizierung 

Das Problem: Einfache oder mehrfach verwendete Passwörter gehören zu den häufigsten Einfallstoren für Angreifer. „Sommer2024!“ oder „Firma123“ sind in Sekunden geknackt. 

Die Lösung: Führen Sie einen Passwortmanager für Ihr Team ein und aktivieren Sie die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) bei den wichtigsten Konten. 

So setzen Sie es um: 

  • Identifizieren Sie Ihre 3–4 kritischsten Dienste: E-Mail-Postfach, Cloud-Speicher, Buchhaltungssoftware, Online-Banking. 
  • Aktivieren Sie dort MFA (meist in den Sicherheitseinstellungen mit wenigen Klicks möglich). 
  • Führen Sie ein kurzes Team-Briefing durch (10–15 Minuten reichen). 
  • Starten Sie mit einem kostenlosen Passwortmanager oder investieren Sie in eine günstige Business-Lizenz. 

Aufwand: 2–3 Stunden insgesamt, geringe bis keine Kosten für den Einstieg. 

Maßnahme 2: Updates & Patches konsequent einführen 

Das Problem: Veraltete Software ist wie eine offene Tür für Angreifer. Sicherheitslücken in älteren Versionen werden gezielt ausgenutzt. 

Die Lösung: Definieren Sie einen festen Update-Rhythmus und einfache Regeln für Ihr Team. 

So setzen Sie es um: 

  • Aktivieren Sie automatische Updates für Betriebssysteme und Browser auf allen Geräten. 
  • Legen Sie einen monatlichen „Patch-Tag“ fest, an dem kurz geprüft wird, ob alles aktuell ist. 
  • Wenn möglich, benennen Sie eine Person in Ihrem Unternehmen, die dafür zuständig ist und diese Rolle ausfüllen kann. 
  • Nutzen Sie Erinnerungen im Kalender, damit der Rhythmus nicht einschläft. 

Aufwand: 1–2 Stunden Startaufwand, danach monatlich 30 Minuten. Keine oder sehr geringe Kosten. 

Maßnahme 3: Einfache Backup-Strategie 

Das Problem: Ohne Backups drohen bei Ransomware-Angriffen oder Hardwaredefekten teure Betriebsausfälle und unwiederbringlicher Datenverlust. 

Die Lösung: Richten Sie mindestens ein automatisiertes Backup ein, das vom laufenden System getrennt ist. Im Idealfall (3-2-1-Regel) erstellen Sie zwei zusätzliche Sicherungskopien. Diese Kopien sollten nicht auf dem gleichen Gerät gespeichert werden. Nutzen Sie entsprechend unterschiedliche Medientypen. Nach Möglichkeit sollte eine Kopie geografisch getrennt von Ihrem Standort aufbewahrt werden. So wird sichergestellt, dass die Kopie bei lokalen Sicherheitsvorfällen und Schäden unbeschadet bleibt.  

So setzen Sie es um: 

  • Definieren Sie Ihre wichtigsten Datenquellen: Server, Cloud-Ordner, Buchhaltung, Projektdaten. 
  • Richten Sie ein tägliches automatisches Backup ein – entweder auf eine externe Festplatte oder in einen verschlüsselten Cloud-Speicher. 
  • Trennen Sie das Backup-Medium nach Abschluss vom System (externe Festplatte abziehen oder separate Cloud-Zugänge nutzen). 
  • Testen Sie Ihr Backup regelmäßig: Spielen Sie einmal im Quartal testweise eine Datei zurück. 

Aufwand: Anschaffung einer externen Festplatte oder Cloud-Speicher (ca. 50–200 Euro), Einrichtung mit externer Hilfe – falls nötig (wenige Stunden). 

Maßnahme 4: Basis-Schutz für E-Mail und Web 

Das Problem: Phishing-Mails und schadhafte Anhänge sind die zentralen Einfallstore für Cyberangriffe. Eine einzige unbedachte Sekunde mit einem Klick auf einen schadhaften Link kann fatale Folgen haben. 

Die Lösung: Kombinieren Sie technische Filter mit einfachen Verhaltensregeln für Ihr Team. 

So setzen Sie es um: 

  • Prüfen Sie, ob Ihr E-Mail-Anbieter einen Spam- und Phishing-Filter hat, und aktivieren Sie ihn. 
  • Erstellen Sie eine kurze „Do & Don’t“-Liste: Keine Anhänge von unbekannten Absendern öffnen, Bankdaten niemals per E-Mail ändern, bei verdächtigen Mails telefonisch rückfragen. 
  • Führen Sie einmal jährlich eine 30–45-minütige Mini-Schulung zum Thema Phishing durch. 
  • Hängen Sie die wichtigsten Regeln als Poster an die Pinwand in den Büroräumen und integrieren Sie diese Informationen in Ihren Onboarding-Prozessen. Verweisen Sie zusätzlich regelmäßig auf diese Richtlinie hin. 

Aufwand: E-Mail-Schutz meist bereits im Paket Ihres Anbieters enthalten, Schulung intern oder mit einfachen, kostenfreien Online-Angeboten. 

Maßnahme 5: Zugänge aufräumen – weniger ist mehr 

Das Problem: Wenn alle Mitarbeitenden Admin-Rechte haben oder auf alle Daten zugreifen können, erhöht sich das Risiko unnötig. Kompromittierte Accounts können dann maximalen Schaden anrichten. 

Die Lösung: Setzen Sie das Prinzip der minimalen Rechte um. Jeder Mitarbeitende erhält nur die Zugriffe, die er wirklich braucht. 

So setzen Sie es um: 

  • Trennen Sie Admin-Konten von Alltagskonten (Admin nur für Installation und Wartung). 
  • Ordnen Sie Datenzugriffe nach Rollen: Buchhaltung sieht Finanzdaten, Projektteam sieht Projektordner, Personalverwaltung sieht Personaldaten. 
  • Entziehen Sie ausgeschiedenen Mitarbeitenden konsequent und sofort alle Accounts. 
  • Überprüfen Sie einmal jährlich, wer eigentlich worauf Zugriff hat. 

Aufwand: Vor allem Organisations- und Umstellungsaufwand, kann schrittweise über einige Wochen umgesetzt werden. 

Maßnahme 6: Klare Regeln für mobiles Arbeiten und private Geräte 

Das Problem: Homeoffice und die Nutzung privater Geräte bringen oft unkontrollierte Risiken ins Unternehmen. Veraltete private Laptops oder unsichere Heimnetzwerke werden zur Schwachstelle. 

Die Lösung: Formulieren Sie zwei bis drei einfache, schriftlich festgehaltene Regeln. 

So setzen Sie es um: 

  • Definieren Sie Mindestvorgaben: Gerät muss gesperrt werden bei Abwesenheit, aktuelle Virenschutzlösung muss installiert sein, keine vertraulichen Daten auf unverschlüsselten USB-Sticks. 
  • Erlauben Sie Firmen-Accounts auf privaten Geräten nur mit aktivierter Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) und aktuellen Betriebssystemen. 
  • Stellen Sie klare Ansprechpersonen bereit, wenn technische Fragen auftauchen. 

Aufwand: Formulierung einer kurzen Richtlinie (1–2 Seiten), eine Team-Besprechung zum Durchsprechen, geringe technische Zusatzkosten. 

Maßnahme 7: Ein „Mini-Notfallplan“ 

Das Problem: Im Ernstfall weiß niemand, was zu tun ist, wer informiert werden muss oder wie man den Schaden begrenzt. Panik und Chaos vergrößern den Schaden. 

Die Lösung: Erstellen Sie einen kompakten Notfallplan mit den wichtigsten Kontakten und ersten Schritten. Nach Möglichkeit können Sie den Notfallplan kontinuierlich ausbauen. Je detaillierter der Plan ist, umso besser unterstützt er Sie im Ernstfall. Nutzen Sie außerdem kostenfreie Vorlagen und Checklisten, die im Notfall Zeit und Nerven sparen.  

So setzen Sie es um: 

  • Listen Sie wichtige Kontakte auf: IT-Dienstleister, Cyberversicherung, Rechtsberatung, Geschäftsführung. 
  • Definieren Sie erste Schritte im Angriffsfall: Betroffene Systeme vom Netz trennen, nichts löschen, Vorfälle fotografisch dokumentieren, Kontakte informieren. 
  • Notieren Sie wichtige „Don’ts“: Nicht zahlen ohne rechtliche Beratung, nicht selbst experimentieren, nicht vorschnell kommunizieren. 
  • Drucken Sie den Plan aus und hinterlegen Sie Kopien an mehreren Stellen im Unternehmen. 

Aufwand: 1–2 Stunden zur Erstellung, gelegentliche Aktualisierung, keine direkten Sachkosten. 

Heute anfangen statt auf den Vorfall warten 

Sie müssen nicht alle sieben Maßnahmen gleichzeitig umsetzen. Schon wenige dieser Schritte senken Ihr Risiko deutlich und verbessern Ihre Reaktionsfähigkeit im Ernstfall erheblich. 

Ihr nächster Schritt: Wählen Sie drei Maßnahmen aus, die Sie in den nächsten 30 Tagen umsetzen wollen. Tragen Sie sich konkrete Termine in den Kalender ein. Fangen Sie klein an – Hauptsache, Sie fangen an. Cybersicherheit ist kein Sprint, sondern eine Laufstrecke mit mehreren Stationen. Aber die ersten Schritte sind einfacher, als Sie denken. Und sie sind es wert. 

Diese Materialien unterstützen Sie bei der Umsetzung der Maßnahmen:

CYBERsicher Notfallhilfe

Alles rund um den Notfallplan

Ein Zahlenschloss auf einem Laptop

Tipps für Ihre Passwortsicherheit

Ein Laptop mit Datenwolken.

So erstellen Sie ein Backup-Konzept

Weitere Materialien und Informationen zu Cybersicherheitsthemen finden Sie auf unserer Materialienplattform und auf unserem Blog.

Johanna Baldus

Verfasst von Johanna Baldus

Projektmanagerin Kommunikation

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